Projekt

Der Visibility Room ist ein interaktiver Diskursraum, in dem über Ungleichheiten und Sichtbarkeiten in Gesellschaft und Kulturbetrieb nachgedacht wird: Wer sieht und wer wird gesehen? Wer darf welche Geschichte wie erzählen und wer bekommt dafür den Raum?

 
 
 

Seit April diskutieren die beteiligten Künstler*innen und Kunstvermittler*innen in der Galerie für Zeitgenössische Kunst über dieses Spannungsfeld.

 

Öffnungszeiten

 

Di—Fr:  14—19h

Sa—So:  12—18h

Ausstellung
23.07.—31.10.19

Im Ausstellungsraum ist ein Display zu sehen, das sich Merkmale der Diskussionen und Fragen des Projekts als Gestaltungsprinzipien zu Grunde legt. Es ist polyperspektivisch und weist ein Innen und Außen auf. Wir orientierten uns dabei an Bauspielplätzen, die dynamisch gewachsen, viele Perspektiven zeigen und Formen der Aneignung darstellen. Zudem gibt es einen interaktiven Part im Raum, bei dem die Besucher*innen mit eingebunden werden. Durch die Offenheit des Displays und der Ausstellungsbeiträge wird der/die Besucher*in eingeladen, Seh- und Denkgewohnheiten kritisch zu hinterfragen.

Die Präsentation appelliert daran, immer wieder situationsspezifisch die eigene institutionelle Praxis zu reflektieren, sich immer wieder neu zu positionieren.

 

Künstler*innen

 

Antoine Antabi
Majd Amer
Rawan Hassan
Azad Ibrahim
Alexandra Ivanciu
Patrick Odilon Ogue

Wer sieht und wer wird gesehen?

Who sees and who is seen?

Wo bin ich repräsentiert?

Unde sunt reprezentat/ă?

Muss ich über meine Migration reden, weil es ein interessantes Thema für die Kunstwelt ist?

هل يجب أن أتحدث عن هجرتي، بحيث أنها موضوع مشوّق في عالم الفن؟

Welche Strategien der Erweiterung lassen sich finden und welche Handlungsformen der Aneignung können erprobt werden?

Quelles stratégies d’approfondissement peut-on trouver et quelles procédures d’appropriation peut-on expérimenter?

Wer darf welche Geschichte wie erzählen und wer bekommt dafür den Raum?

Who is allowed to tell which story in what way? And who gets space for it?

Wie viel Zeit wird es brauchen, bis das Unsichtbare als sichtbar erkannt und in seiner Sichtbarkeit wiedererkannt wird?

Combien de temps faut-il encore pour que l’invisible soit perçu comme visible et reconnu dans son invisibilité?

Über was will ich reden?

What do I want to talk about?

Konzept

Die Intention des Projekts Visibility Room war es, einen Ort des Empowerments zu schaffen, eine Möglichkeit der Sichtbarkeit innerhalb einer Institution der Zeitgenössischen Kunst. Die Kunstvermittler*innen und die Künstler*innen wurden auf unterschiedliche Weise immer wieder auf das dem Projekt immanente Dilemma zurückgeworfen:

Der Visibility Room sollte von Menschen mit Migrationserfahrungen gestaltet werden, als ein Schritt Ausschlüssen im Kunstbetrieb entgegenzuwirken. Gleichzeitig hielt diese Rahmenbedingung die Teilnehmer*innen gefangen, in der Reduktion auf „Künstler*innen mit Migrationshintergrund“ und den daran geknüpften Erwartungen und Zuschreibungen.

 
Offen bleibt die Frage:
Was verunmöglicht es, was hindert, „Künstler*innen mit Migrationshintergrund“ daran sich als Künstler*innen zeigen zu können und gesehen zu werden?

Aber auch als verbindendes Moment bleiben Fragen: Wie können wir Sehgewohnheiten, die nicht zuletzt durch Jahrhunderte alte rassistische Blickregimes und durch koloniale Unsichtbarkeiten geprägt sind, sichtbar machen? Wie können wir Sichtbarkeiten und Sehgewohnheiten, die Ungleichheit reproduzieren, ausgrenzen und herabwürdigen – einzeln und gemeinsam – irritieren und herausfordern? Im Ausstellungsraum sind diese und andere Fragen des Projekts mit künstlerischen Arbeiten in einem offenen Display verknüpft.
 
Deswegen: Lasst uns zusammenkommen, diskutieren, uns austauschen, dafür kämpfen, kreativ werden, reflektieren, aushalten, dagegenhalten, durchbrechen, zerstören, wieder zusammen aufbauen, positionieren, anpassen, neu entwerfen, intervenieren und alle Räume zu Orten der Frage nach der Aushandlung von Sichtbarkeit machen.

Was passiert, wenn du mir sichtbar machst, was für mich unsichtbar war?
Was passiert, wenn ich dir sichtbar mache, was für dich unsichtbar war?

Team

Die gebürtige Syrerin Dona Abboud ist Grafikerin und Kunstvermittlerin. In ihrem vielbeachteten Buch „Out of Syria, inside Facebook“, hat sie sich auf künstlerische Art mit ihrer Migrationsbiographie auseinandergesetzt.

 

Majd Amer lebt seit 2015 in Deutschland. Studierte Visuelle Kommunikation an der Fakultät für Bildende Kunst in as-Suwaida, Syrien. Zurzeit studiert er Grafik-Design an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in der Akademie für Transkulturellen Austausch (ATA).

 

Antoine Antabi studierte Visuelle Kommunikation an der Fakultät für Bildende Kunst in Damaskus. Seit 2018 ist er als freischaffender Fotograf und Filmemacher in Leipzig tätig.

 

Rawan Hassan ist gelernte Bildhauerin aus Syrien studiert im Bereich der Medienkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB).

 

Azad Ibrahim hat am Institut für Bildende Kunst im Bereich Bildhauerei in Damaskus abgeschlossen. Zurzeit studiert er an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB) im Bereich Medienkunst.

 

Alexandra Ivanciu lebt und arbeitet in Leipzig und Bukarest und ist Teil der Künstlergruppe HAZY BORDERS. Sie hat 2017 einen Master in Fotografie und Video an der Universität der Künste in Bukarest abgeschlossen.

 

Nora Krings ist Gestalterin und Kunstvermittlerin im Team der GfZK. Hier arbeitet sie an Strategien der interkulturellen Öffnung des Museum und konzipierte zuletzt hierfür eine Plakatkampagne.

 

Isabel Monroy Moreno ist freie Kunstvermittlerin und Kunsthistorikerin. Studierte in Bogota, Wien, Mailand, Dresden und Leipzig. Seit 2017 ist sie freiberufliche Mitarbeiterin in der Kunstvermittlung GfZK für Dich.

 

Patrick Odilon Ogue ist Autodidakt, Fotograf und Philosoph. Er studierte Chemie in Benin und Leipzig und ist seit 2018 freiberuflich in Deutschland tätig.